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Eamonn McCormack
Kindred Spirits
(True Talent Records, 59:16)

Es sind wahrlich illustre Namen, die das Cover dieser CD zieren, über deren Entstehung im Booklet lediglich vermerkt ist: "Recorded in Amsterdam, London and Dublin in the nineties." Das Ganze relativiert sich allerdings nach einem Blick auf die Liste der Special Guests, der zu entnehmen ist, dass Rory Gallagher, Jan Akkerman und Herman Brood jeweils auf nur einem der insgesamt vierzehn Tracks zu hören sind, die McCormack noch unter seinem damaligen Künstlernamen Samuel Eddy einspielte und jetzt auf seinem eigenen Label auf den Markt bringt. Immerhin soll es sich laut Presseinfo bei Gallaghers Beitrag zu "Falsely Accused" um dessen allerletzte Studio-Aktivität handeln, was diese CD natürlich wiederum für Hardcore-Fans und Sammler interessant machen dürfte. Doch auch ohne marketingbedingtes "name-dropping" ist "Kindred Spirits" ein Album, das sich im Bluesrock-Mainstream der weniger heftigen Art durchaus behaupten kann. Und zum Schluss hin wird es mit Titeln wie "Got Me A Harley" und "She Done Me Wrong" sogar noch richtig schön bluesig. (ms)





Johnny Hawthorn
Death & Taxes
(Abe's Records, 29:22)

Johnny Who? Johnny Hawthorn, in Philadelphia geboren und jetzt in Los Angeles lebend, spielt Gitarre, Bass, Hammond B-3 und Mundharmonika. Außerdem singt er, schreibt Songs und geht mit der kalifornischen 90er-Jahre-Kultband Toad The Wet Sprocket auf Tour. Deren Gitarrist - Todd Nichols - hat neben "The Johnny Hawthorn Band" nun auch Hawthorns neue CD produziert. Schaut man die Bilder des Booklets und der Inlay-Card der CD an, fühlt man sich sofort an die Zeiten erinnert, als eine Band namens Too Slim & The Taildraggers noch rohen, ungehobelten Blues spielte, denn optisch ähnelt Johnny Hawthorn Tim "Too Slim" Langford sehr. Musikalisch nicht ganz. Auf den lediglich neun Songs mit dementsprechend kurzer Spieldauer ist Hawthorn zwar auf nahezu allem zu hören, was Saiten hat, allerdings gibt die Stilvielfalt rund um den Blues Rätsel auf. Los geht's mit dem Pop-Rock-Video-Hit "Punk In The Street", gefolgt vom starken und rockigen Titelsong. "Bamboozled" ist ein schnelles Instrumental in bester Danny Gatton/Stevie Ray Vaughan-Manier. "Losers Game" und "When I Kiss You", zwei Balladen mit Country- bzw. Jazzeinschlag, sprengen dann den Rahmen total. Eine heftige Version von Blind Willie Johnsons "In My Time Of Dying" und "Cold Hearted Woman" nehmen wieder tüchtig Fahrt auf, während der akustische "Traveling Roadside Blues" und das düstere Solo-Instrumental "St. Stephan's Green" die CD ruhig ausklingen und den Hörer mit einem Fragezeichen zurücklassen. Johnny Hawthorn und Band sind Könner, auch abseits des Blues. Leider ist die CD reichlich kurz und stilistisch sehr unausgewogen. (rs)





Richard Ray Farrell
& The Spanish Band

Camino De Sanlucar
(Blue Beet Records, 53:46)

Richard Ray Farrell, 1956 in Niagara Falls, New York, geboren, hat sein halbes (Blues-)Leben in Europa verbracht, davon eine lange Zeit in Süddeutschland. Bekannt geworden ist er vor allem durch die langjährige Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Frank-Zappa-Drummer Jimmy Carl Black. 2001 ging er zurück in die USA, hat seitdem vier CDs eingespielt und legt mit "Camino De Sanlucar" die erste elektrisch verstärkte Scheibe seit sechs Jahren vor. Dazu ist er nach Spanien geflogen und hat in Sevilla mit der Crème der dortigen Bluesszene zwölf Songs eingespielt. Abgesehen davon, dass zwei Drittel der Songs Coverversionen sind, ist das Album mehr als gut gelungen. Farrell singt lässig, wenngleich er nicht die beste Stimme hat, spielt eine dezent rockige, knarzige Fender, die Band groovt vor sich hin und macht den nötigen Druck, wenn er vonnöten ist. Ob es unbedingt der Mitwirkung des spanischen Gitarren- und Flamenco-Helden Raimundo Amador auf drei der Songs bedurfte, sei dahingestellt. Vielleicht sind aber auch die Klassiker "As The Years Go Passing By" und "The Thrill Is Gone" nicht unbedingt geeignet, um einen Viel- und Schnellspieler in Szene zu setzen. Beim schraddeligen Original "Jump Back Baby" kommt sein Spiel besser zur Geltung. Die CD klingt druckvoll und ist trotz der vielen Coverversionen von Magic Sam, The Crusaders, Junior Parker und anderen empfehlenswert. Gitarre satt! (rs)





Matt Schofield
Heads, Tails & Aces
(Nugene/Rough Trade, 59:56)

Die Besetzung seiner Begleitband hatte der britische Gitarrist, Sänger und Songschreiber Matt Schofield runderneuert, ehe er sein neues Album "Heads, Tails & Aces" einspielte. Jonny Henderson bedient die Hammondorgel bzw. das Wurlitzer-Piano, Jeff Walker bearbeitet den Kontra- und elektrischen Bass, während Alain Baudry trommelt. Das Trio liefert dem 31-jährigen Protagonisten das Fundament für sein beseeltes wie flüssiges Spiel (Robben Ford lässt grüßen). Die Funk- und New-Orleans-Note mit souligen Anleihen in Schofields Klängen hat - zusätzlich zu den jazzigen Untertönen - durch die neuen Mitstreiter an Bedeutung gewonnen. Doch insgesamt dominiert immer noch unüberhörbar die Blueskomponente britischer Spielart (also mit rockigen Einflüssen) in den Song-Eigenbauten, vor allem in Schofields feurigem Gitarrenspiel, aus dem so unterschiedliche Vorbilder wie Stevie Ray Vaughan, Muddy Waters oder Albert Collins herauszuhören sind, das aber längst einen ganz eigenen Stempel trägt. So wird klar, warum Schofield neben Ian Parker zu den vielversprechenden Bannerträgern einer neuen Generation britischer Blueser zählt. (pro)





Floyd Lee Band
Doctors, Devils & Drugs
(Amogla Records, 36:21)

Bereits im Jahr 2007 wurde vorliegendes Album veröffentlicht, fand jedoch erst jetzt den Weg nach Deutschland. Glücklicherweise, denn was der 75-jährige Floyd Lee, dessen Stimme klingt, als hielte er täglich ein Schwätzchen mit dem Teufel, zusammen mit seinem jungen Partner, dem kanadischen Gitarristen Joel Poluck, sowie der Rhythmusgruppe Brad Vickers und Steve Pozzelanti auf die Beine stellt, hat nicht nur die Besucher des Lucerne Blues Festivals begeistert. Floyd Lee nennt seine Musik selber "Mean Mississippi Blues" und in der Tat ist die Musik auf "Doctors, Devils & Drugs" schwer, gemein, wild und intelligent-brachial. Und doch kann man das, was Lee und seine Kumpane machen, nicht Rock nennen. Zu tief ist die Sache im Blues verwurzelt, zu rudimentär kommt alles daher. Das erinnert an die Zusammenarbeit junger weißer Wilder mit alten schwarzen Country-Bluesern auf dem Fat Possum Label oder an die Imperial Crowns. Interessanterweise stammen die Songs nicht aus der Feder Lees, sondern Joel Poluck hat ihm das Material auf den Leib geschrieben. Wer auf diese Art des Blues steht, braucht "Doctors, Devils & Drugs" unbedingt. Die für heutige Gewohnheiten kurze Spielzeit der CD ist kein Manko, denn für die neun Nummern gilt: "All killer, no filler!" (ThR)





Johnny Max Band
A Lesson I've Learned
(Pour Soul Records, 51:55)

"Wir garantieren, dass ihr eine gute Zeit mit uns habt", verspricht die Johnny Max Band. Da wird die Messlatte gleich etwas höher gelegt, letztendlich kann das offensichtlich komplett aus Kanada stammende Quintett die eigenen Ansprüche auch nur zum Teil bestätigen. Tastenmann Martin Alex Aucoin (Piano, B3, Wurlitzer, Percussion) schreibt die meisten Songs, Chef im Ring ist hingegen Sänger Johnny Max. Genau hier liegen die Stärken und Schwächen der "hardest working Band around" (Zitat Bandinfo), denn das zwischen R&B, Boogie-Blues und Memphis-Soul einzustufende Repertoire ist gut und unterhaltsam - der Gesang hingegen nur Durchschnitt. Nicht von ungefähr zählt die schlichte Instrumentalnummer "Greezin'" mit cooler Hammond B3 zu den besten Tracks des Albums mit dem spaßigen Cover. Schade eigentlich, denn mit mehr Klasse am Mikro würden die Kanadier sicher mehr Aufmerksamkeit erzielen. Aber wer feuert schon seinen Chef? (df)





Various Artists: Dr. Boogie presents
26 Deranged And Smokin' Cool Cats

(Sub Rosa, 57:08)

bluesnews stellte bereits einige der feinen Sampler von Dr. Boogie vor. Der heißt mit bürgerlichem Namen Walter De Paduwa, lebt in Overijse (Belgien) und hat sein Haus im Laufe der Jahre in ein musikalisches Museum verwandelt. Mit seiner neuesten Zusammenstellung widmet er sich dem Anfang der 50er Jahre aufkommenden Rockabilly. Viele Bands nahmen seinerzeit mit wenig Equipment in Garagen oder alten Schuppen ihre Platten auf, ließen davon gerade einmal 100 Stück für Freunde/Familie pressen und hofften darauf, irgendwann bei einem der größeren Labels Gehör zu finden. Dr. Boogie knöpfte sich 26 solcher Produktionen aus den Jahren 1954-1959 vor, restaurierte den Sound und schuf damit eine weitere außergewöhnliche musikalische Perle. Nähere Informationen zu den Künstlern und Bands gibt es allerdings nicht, selbst dem ambitionierten Dr. Boogie war es trotz umfangreicher Recherchen unmöglich, Details über sie in Erfahrung zu bringen. (df)





Gambler
Rock On Blues
(AD-Medium, 74:40)

Sie nennen sich "The hardest rockin' Bluesband" und spielten bereits als Operner für die Scorpions, Collosseum II sowie andere. Ein wenig Etikettenschwindel ist das schon, denn tatsächlich zimmern sich Dirk van Offern (Gesang, Harmonika), Rainer Schmitz (Bass), Ingo Wachtmeister (Schlagzeug) und Dieter Bützer (Gitarre) ein Gerüst aus Heavy-Rock mit Balladen und rockigen Blues-Einflüssen. Das ist aller Ehren wert, dürfte aber mehr den Nerv von Rock- als den der Bluesfans treffen. Manche Songpassagen erinnern etwas an die Scorpions oder Whitesnake, was aufgrund des absolut eigenständigen Repertoires durchaus als Qualitätsmerkmal verstanden werden darf. Sämtliche Texte werden übrigens im Digipack mitgeliefert. (df)





The Paul Garner Band
What Colour Will You See
(Progressive Roots, 66:55)

Neben neun Eigenkompositionen enthält die Track-Liste dieser selbst produzierten CD des Londoner Quartetts um Frontmann Paul Garner (Gitarre, Gesang) auch zwei viel gespielte Genre-Standards, doch wer angesichts von Preston Fosters "(I've Got My) Mojo Workin'" und Willie Dixons "Hoochie Coochie Man" ein eher konventionell gehaltenes Bluesalbum erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt. Denn die Musik Garners und seiner Mitstreiter an Keyboards, Kontrabass und Schlagzeug ist außer vom Blues mindestens ebenso stark geprägt von modernen Jazz- sowie Singer-Songwriter-Einflüssen, was im Ergebnis ein ganz eigenes Klangbild entstehen lässt. In diesem Soundkostüm kommen dann auch die bereits erwähnten Klassiker daher, wobei es "Hoochie Coochie Man" in der Version der Paul Garner Band auf eine Laufzeit von stolzen neun Minuten und neun Sekunden bringt. Und wenn die eigenwilligen Arrangements dieser beiden Songs bei eher traditionell orientierten Bluesfans vermutlich auch kaum auf eine positive Resonanz stoßen dürften, so sind sie als Beispiele für einen höchst originellen Umgang mit dem musikalischen Erbe des Blues doch allemal hörenswert. (ms)





Martin O'Sullivan
Que Sera Sera
(Moon Sound Records/NMD, 17:09)

Der in Hamburg lebende Nordire spielt auf seinen Shows überwiegend akustische Instrumente. Die geben auch auf dieser Maxi-CD den Ton an, denn gemeinsam mit vier weiteren Musikern an Harp, Bouzouki, Banjo, Mandoline und Pedal Steel Guitar nahm O'Sullivan seine Interpretationen von fünf Songs auf, die aus dem Repertoire anderer (Hendrix, Knopfler, Cale, Waits und Livingston/Evans) stammen. Ebenso breit gefächert ist der Stilmix des Gitarristen und Songwriters, der Folk, Blues, Rock, Country und (bei Konzerten) auch keltische Musik favorisiert. Martin O'Sullian überzeugt außerdem als Sänger und Keyboarder - insofern ist es schade, dass der ganze Spuk nach einer guten Viertelstunde schon wieder vorbei ist. (df)





Bernreuther/Bayer & Kossowska
United Blues Experience: The Cologne Concert
(clearaudio, 79:53)

Das "Cologne Concert" der United Blues Experience, bestehend aus dem Duo Wolfgang Bernreuther (Gitarre, Gesang)/Rudi Bayer (Kontrabass) sowie Harperin und Sängerin Beata Kossowska, wurde im Februar 2008 live im Kölner Theater "Der Keller" mitgeschnitten. Unterstützung erhielten die drei Musiker/-innen dabei von Special Guest Richard Bargel, der auf vier der insgesamt sechzehn Tracks des Albums zu hören ist. Geboten wird ein hälftiger Mix aus mehr oder weniger bekannten Genre-Klassikern wie etwa Robert Johnsons "Me And The Devil Blues", Sonny Boy Williamsons "Help Me" oder Peter Greens "I Loved Another Woman" sowie Titeln aus der Feder von Kossowska und/oder Bernreuther, wobei sich das Trio bei Eigenkompositionen wie "Just A Silly Love Song", "I Want To Be Free" oder "One Time For Love" dann doch eher als United Folk Experience präsentiert. Insgesamt ein unspektakulär-gefälliges Album für Freunde akustischer Live-Musik, das für Vinyl-Liebhaber neben der CD-Ausgabe auch als Doppel-LP erhältlich ist. (ms)





Nico Brina
25 Years Live On Stage (1984 - 2009)
(Brina Music, 51:36)

Anders als der Titel dieser CD vermuten lassen könnte, handelt es sich bei den hier präsentierten Live-Mitschnitten um Aufnahmen, die der Schweizer Pianist und Sänger, der sich einst mit dem schnellsten Boogie Woogie einen Eintrag ins "Guinness-Buch der Rekorde" sicherte, in den Jahren 2004 bis 2008 in diversen Locations seines Heimatlandes sowie im grenznahen Bad Säckingen eingespielt hat. Begleitet wurde er dabei entweder von einem der beiden Schlagzeuger Tobias Schramm oder Charlie Weibel bzw. zusätzlich von dem Gitarristen Pete Borel, der auf sieben der insgesamt sechzehn Tracks zum Einsatz kommt. Das Repertoire Brinas bewegt sich grundsätzlich im Spannungsfeld von Boogie Woogie, Blues und Rock'n'Roll und neben sieben Eigenkompositionen setzt er vor allem auf altbewährte Standards wie Bobby Troups unverwüstliches "Route 66" oder das von Jerry Lee Lewis populär gemachte "Whole Lotta Shakin' Going On". Mit dem solo vorgetragenen Elvis-Presley-Titel "In The Ghetto" lässt Brina dieses Album dann eher ruhig ausklingen, das ihn als souveränen, spielfreudigen Pianisten ausweist, aufnahmetechnisch aber nur bedingt zu überzeugen weiß. (ms)





Paul-Simpson-Project
A Hunger For Life
(Ohne Label/Talentia, 34:27)

Bestens dekoriert ist die noch junge Karriere von Jennifer Simpson (Gesang) und Bernd Paul (Gitarre, Harp), unter anderem wurde die gebürtige Texanerin 2007 und 2008 vom DRMV als beste deutsche R&B-Sängerin ausgezeichnet - obwohl sie gar keinen R&B singt. Zwischen Folk, Blues und melancholischen Balladen bewegt sich das Duo, wobei Bernd Paul die Kunst beherrscht, mit bestens akzentuiertem Gitarrenspiel den Gesang seiner Partnerin in Szene zu setzen. Jennifer Simpsons wandlungsfähige Stimme klingt mal dreckig, mal wehmütig, gleich beides vereint sie im Titelsong, einer von mehreren Perlen auf diesem kurzweiligen aber (leider) auch kurzen Album. Konzerte geben die beiden allein, hier sind sie mit mehreren Gastmusikern zu hören. (df)





Various Artists
Teenage - The Creation
Of Youth 1911-1946

(Trikont, 78:10)

Jon Savage glänzte schon durch die Zusammenstellung "England's Dreaming" als musikalischer Chronist, hier widmet er sich Songs, die zwischen 1911 und 1946 von der damals jugendlichen amerikanischen Generation gehört wurden. Hot Jazz und Swing dominieren, doch auch Melodien aus Musicals und etwas Blues (T-Bone Walker, Walter Davis und andere) wurden auf "Teenage - The Creation Of Youth 1911-1946" verewigt. Viele große Namen sind dabei (Duke Ellington, Frank Sinatra, Glenn Miller, Cab Calloway, Woody Guthrie) und natürlich auch Songs mit Evergreen-Status. Dazu gibt es ein zwanzigseitiges Booklet in deutscher Sprache mit Informationen zu den Künstlern und den 26 Tracks. (df)





Various Artists
The Roots Of Led Zeppelin

(Proper, 3 CDs plus DVD, ca. 190 Min.)

Wer hier den Rocksound von oder im Stil von Led Zeppelin erwartet, wird mächtig enttäuscht. Auch wenn die Jungs um Robert Plant und Jimmy Page als Pioniere des Hard- und Heavy-Rock zählten, so wurden sie bekanntlich vom Blues stark beeinflusst. Eine Mogelpackung ist diese Box somit nicht, ob aber eine weitere Zusammenstellung alter Blues- und Rock'n'Roll-Aufnahmen die eigene Sammlung unbedingt erweitern muss, sei einmal dahingestellt. Abgefeiert werden alte Schoten von Elmore James, Bo Diddley, Chuck Berry, Little Richard, Robert Johnson, Sonny Boy, Leadbelly und anderen, Rares oder gar Obskures Fehlanzeige. Trotzdem wurde das alles ganz nett in eine Box mit 30-seitigem Booklet verpackt, auf der zusätzlichen DVD "Talkin' Led Zeppelin" wird zwar nicht mit den Bandmitgliedern gesprochen, aber über sie. Charles Shaar Murray, Sid Griffin, Nigel Williamson und andere gaben die Interviews. (df)





Various Artists
The Little Red Box Of Protest Songs

(Proper, 3 CDs plus DVD, ca. 190 Min.)

Vor 100 Jahren erschien in den USA zum ersten Male das Buch "The Little Red Song Book" mit Texten von Arbeiter-Liedern und traditionellen Songs. Daran angelehnt trug Proper 60 Titel zusammen, von denen viele ihren festen Platz in der amerikanischen Musikgeschichte haben und die namhafte Interpreten von Protestsongs beeinflussten. Den Ton geben Folk, Country und Hillbilly an, aber auch Bluesfans kommen auf ihre Kosten (Josh White, Brownie McGhee, Leadbelly, J.B. Lenoir und andere). Einige der Künstler dürften nur eingefleischten Folkies bekannt sein, andere kennt hingegen fast jeder: Woody Guthrie und Pete Seeger. Bob Dylan ist übrigens nicht dabei, denn die Box (inklusive 30-seitigem Booklet) enthält nur lizenzfreie und somit über 50 Jahre alte Aufnahmen. (df)





Guy Davis
Sweetheart Like You
(Red House/inakustik; 62:30)

Es ist das neunte Album für Red House, auf zahlreichen anderen Anthologien anderer Labels ist Guy Davis vertreten, ein Live-Album gab es 2007 bei Tradition & Moderne. Dort ist bereits "Sweetheart Like You" zu hören, ein Dylan-Song, nach dem das neue Album benannt ist. Weil die Leute das Lied gerne von ihm gespielt hören, liefert Davis eine weitere Version in flockigem Arrangement. Der Sänger, Harpspieler und Meister akustischer Saiteninstrumente - Banjo, Gitarren, Mandoline - präsentiert mit seinen Gästen sieben hübsche eigene Songs und ebensoviele Coverversionen bekannter Titel, darunter "Baby Please Don´t Go", "Hoochie Coochie Man" und "Can´t Be Satisfied". Virtuos versetzt Davis mit Fingerpicking und anderen Techniken dieses Material sowie Themen von Leadbelly, Son House usw. in ein neues Szenario, das für Fans weicherer Töne sicherlich einen Leckerbissen abgibt. Allerdings verlieren die Interpretationen im Vergleich mit den Originalen an Biss. Seine eigenen Songs dagegen lassen schon mehr von der Persönlichkeit des Poeten Guy Davis ahnen, der bekanntlich aus einer Künstlerfamilie stammt. Da stehen Tiefe und Witz auf gleicher Höhe. (ul)





Ricky Gene Hall & The Goods
BAM!
(Yard Dog Records, 45:15)

Geboren 1958 in Kentucky und aufgewachsen in Ohio, kam Gitarrist, Sänger und Harpspieler Ricky Gene Hall durch seine Eltern schon in jungen Jahren mit dem Blues und anderen Musikstilen in Berührung. Erst 2007 gründete er das jetzige Trio mit Tom Martin am Bass und Rocky Evans am Schlagzeug und veröffentlicht mit "BAM!" die zweite CD der Band. Lediglich drei der zwölf Songs sind Cover, der Rest zeigt Hall als guten Songschreiber und Texter. Der Gesang, obwohl eigentlich nicht so sonderlich hochklassig, ist es, der der CD den nötigen Charme verleiht! Hall singt sich druckvoll und gleichzeitig cool durch die zum Teil recht langen Texte. Er spielt eine leicht funkig-knarzige Gitarre, die manchmal an Tab Benoit erinnert. Die Band begleitet solide, manchmal etwas hölzern, aber irgendwie schafft es die CD, den Hörer zu erfreuen. Die Songs sind tanzbar und nicht langweilig, wenngleich eine aufwändigere Produktion sicherlich gutgetan hätte. In diesem Fall ist trotzdem weniger mehr und Herr Hall ist wahrlich nicht schlecht. Eine sympathische CD. (rs)





Lluis Coloma
Boogie Portraits
(Swing Alley, 55:22)

In seiner Heimat räumte Lluis Coloma bereits reichlich Preise ab ("Best Catalan Musician", "Artista BluesCat" u. a.), außerdem zählt er zu den wenigen spanischen Pianisten, die den ursprünglichen Boogie-Woogie-Stil interpretieren. Auf welchem Niveau er sich bewegt, spiegelt die Namensliste der Duettpartner wider, denn Barrelhouse Chuck, Carl Sonny Leyland, Mitch Woods und andere steuern ihre Läufe auf den schwarz-weißen Tasten nun wahrlich nicht zu jeder Platte bei. Den "Coloma's Boogie" spielt der Spanier solo, bei allen elf weiteren Songs liefert er sich mit elf verschiedenen Kollegen packende Piano-Duelle - zum Teil mit Schlagzeug-Begleitung. Wie beim Boogie Woogie nicht unüblich, wird auf Gesang weitgehend verzichtet, trotz einiger bekannter Songs kommt nie Langeweile auf. (df)



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